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Beckenboden & Sex (Studienlage)

7. Sept.
2 Min. Lesezeit

Faucher, S., Déry-Rouleau, G., Bardin, M. & Morin, M. (2024)

Investigating the role of the pelvic floor muscles in sexual function and sexual response:

A systematic review and meta-analysis.


Studiendesign: Es handelt sich um eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse – also eine wissenschaftliche Arbeit, die die Ergebnisse vieler bereits vorhandener Studien

zusammenfasst.

Untersucht wurden: 33 Studien insgesamt (davon 14 Interventionsstudien und 19 Beobachtungsstudien)

Die Forscherinnen und Forscher wollten herausfinden:

  1. Ob Maßnahmen, die den Beckenboden trainieren oder beeinflussen, die sexuelle

    Funktion verbessern können.

  2. Ob ein Zusammenhang zwischen der Funktion bzw. Kraft des Beckenbodens und

    der sexuellen Funktion besteht.

  3. Welche Rolle der Beckenboden bei Erregung und Orgasmus spielt.

Die meisten eingeschlossenen Studien (31 von 33) wurden als von moderater oder hoher

Qualität bewertet.



Die wichtigsten Ergebnisse


1. Ein funktionell stärkerer Beckenboden hängt mit einer besseren sexuellen

Funktion zusammen.

Die Meta-Analyse zeigte einen moderaten positiven Zusammenhang zwischen der Kraft

der Beckenbodenmuskulatur und der sexuellen Funktion: r = 0,41

Das bedeutet vereinfacht: Frauen mit einer besseren bzw. stärkeren

Beckenbodenmuskelfunktion berichteten im Durchschnitt häufiger auch über eine

bessere sexuelle Funktion. Dabei geht es beispielsweise um Aspekte wie:

  • sexuelle Erregung

  • Orgasmus

  • sexuelle Zufriedenheit

  • körperliche Wahrnehmung während der Sexualität

Wichtig: Dieser Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass ein stärkerer

Beckenboden allein die sexuelle Funktion verbessert. Sexualität wird selbstverständlich

von vielen körperlichen, psychischen und partnerschaftlichen Faktoren beeinflusst. Die

Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Beckenboden dabei eine relevante Rolle spielt.


2. 10 von 14 Interventionsstudien zeigten positive Effekte

Von den 14 Studien, in denen gezielt Maßnahmen für die Beckenbodenmuskulatur

untersucht wurden, fanden 10 Studien signifikante positive Effekte auf die sexuelle

Funktion. Das ist ein interessantes Ergebnis, denn es zeigt: Die Beckenbodenmuskulatur scheint nicht nur passiv mit Sexualität verbunden zu sein. Eine gezielte Verbesserung ihrer

Funktion kann sich möglicherweise auch positiv auf verschiedene Bereiche der

Sexualität auswirken.

Eine weitere Meta-Analyse von 2024, die sich gezielt mit Beckenbodentraining als

Behandlung bei sexuellen Funktionsstörungen beschäftigte, fand ebenfalls

Verbesserungen bei Erregung, Orgasmus, Zufriedenheit, Schmerzen und dem

Gesamtscore der sexuellen Funktion. Die Autor:innen bewerteten die Sicherheit der

Evidenz aufgrund der unterschiedlichen Studien allerdings als niedrig.


3. Der Beckenboden ist aktiv an Erregung und Orgasmus beteiligt

Besonders spannend: In allen 7 Beobachtungsstudien, die die sexuelle Reaktion

genauer untersuchten, zeigte sich eine Beteiligung der Beckenbodenmuskulatur bei

Erregung oder Orgasmus.

Was bedeutet das?

Der Beckenboden ist ein Netzwerk aus Muskeln im unteren Bereich des Beckens. Diese

Muskulatur kann sich nicht nur bewusst anspannen und entspannen – sie reagiert auch

auf körperliche und sexuelle Reize. Während sexueller Erregung verändert sich die Durchblutung im Beckenbereich. Die Beckenbodenmuskulatur ist dabei Teil der körperlichen Reaktion. Auch während eines Orgasmus kommt es typischerweise zu rhythmischen Kontraktionen der Muskulatur. Ein gut wahrnehmbarer und funktionell trainierter Beckenboden kann deshalb möglicherweise dazu beitragen,

  • den eigenen Körper besser wahrzunehmen,

  • Muskelaktivität im Becken bewusster zu spüren,

  • Anspannung und Entspannung besser zu unterscheiden,

  • und die körperliche Beteiligung während sexueller Erregung bewusster

wahrzunehmen.



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