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Beckenbodentraining bedeutet nicht immer mehr anspannen - 8 Anzeichen eines verspannten Beckenbodens

9. Sept.
3 Min. Lesezeit

Ein gesunder Beckenboden arbeitet funktional und kann sich sowohl anspannen als auch wieder entspannen. Ist die Muskulatur dauerhaft erhöht aktiv oder kann sie nicht ausreichend loslassen, spricht man häufig von einem überaktiven bzw. nicht entspannungsfähigen Beckenboden.

Das kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen – und wird deshalb häufig nicht direkt mit dem Beckenboden in Verbindung gebracht.


1. Häufiger oder plötzlicher Harndrang

Du musst ungewöhnlich häufig zur Toilette oder bekommst sehr plötzlich starken Harndrang? Eine überaktive Beckenbodenmuskulatur kann mit Beschwerden der Blasenfunktion verbunden sein. Dazu gehören unter anderem häufiger Harndrang, häufiges Wasserlassen oder Schwierigkeiten beim normalen Wasserlassen.


2. Schwierigkeiten beim Wasserlassen

Ein angespannter Beckenboden kann das Loslassen beim Wasserlassen erschweren. Typisch können ein verzögerter Harnstrahl, Pressen oder das Gefühl sein, die Blase nicht vollständig entleeren zu können.


3. Verstopfung oder starkes Pressen beim Stuhlgang

Auch beim Toilettengang muss der Beckenboden entspannen können. Gelingt das nicht ausreichend, kann der Stuhlgang erschwert sein – beispielsweise durch starkes Pressen oder das Gefühl einer unvollständigen Entleerung.


4. Schmerzen im Becken oder Unterbauch

Ein überaktiver Beckenboden kann mit Schmerzen im Beckenbereich einhergehen. Manche Frauen beschreiben zusätzlich ein Druck-, Zieh- oder Spannungsgefühl im Unterbauch oder im Bereich des Damms.


5. Schmerzen beim Sex

Schmerzen beim Eindringen oder tiefe Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können mit einer erhöhten Spannung der Beckenbodenmuskulatur zusammenhängen. Auch nach dem Geschlechtsverkehr kann ein schmerzendes oder „verkrampftes“ Gefühl auftreten.


6. Probleme mit Tampons oder gynäkologischen Untersuchungen

Wenn das Einführen eines Tampons, eines Menstruationsprodukts oder eine gynäkologische Untersuchung unangenehm oder schmerzhaft ist, kann eine erhöhte Spannung der Beckenbodenmuskulatur eine mögliche Ursache sein. Dies sollte allerdings immer individuell abgeklärt werden.


7. Schmerzen im unteren Rücken, Gesäß oder in der Hüfte

Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet eng mit anderen Muskeln des Rumpfes und Beckens zusammen. Eine nicht entspannungsfähige Beckenbodenmuskulatur kann deshalb mit Schmerzen im unteren Rücken, im Gesäß oder im Bereich von Leiste und Oberschenkel verbunden sein.


8. Das Gefühl, ständig „anzuspannen“

Manche Betroffene nehmen bewusst oder unbewusst eine dauerhafte Grundspannung wahr – beispielsweise ein ständiges „Hochziehen“ des Beckenbodens, Anspannen des Bauches oder Zusammenkneifen von Gesäß und Beinen. Besonders auffällig kann sein, dass das bewusste Entspannen schwerfällt.



Wichtig: Nicht jede dieser Beschwerden bedeutet automatisch einen verspannten Beckenboden

Die genannten Symptome können viele verschiedene Ursachen haben. Außerdem ist ein verspannter Beckenboden nicht zwangsläufig ein „zu kräftiger“ Beckenboden. Entscheidend ist seine Fähigkeit, situationsgerecht anzuspannen und wieder loszulassen.


Auch die wissenschaftliche Datenlage zur erhöhten Beckenbodenspannung ist nicht für alle Beschwerden gleichermaßen eindeutig. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 zeigte zwar Zusammenhänge insbesondere bei Schmerzproblematiken, weist aber gleichzeitig auf methodische Schwierigkeiten und uneinheitliche Definitionen in der bisherigen Forschung hin.


Wenn mehrere der genannten Beschwerden regelmäßig auftreten, kann eine Untersuchung bei einer entsprechend spezialisierten Physiotherapeutin oder Ärztin sinnvoll sein.

Dabei lässt sich feststellen, ob tatsächlich eine erhöhte Muskelaktivität vorliegt und ob eher Entspannung, Koordination, Kraft oder eine Kombination daraus im Vordergrund steht.


Quellen

  • Worman RS et al. (2023): Evidence for increased tone or overactivity of pelvic floor muscles in pelvic health conditions: a systematic review. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 228(6), 657–674.e91.

  • van Reijn-Baggen DA et al. (2022): Pelvic Floor Physical Therapy for Pelvic Floor Hypertonicity: A Systematic Review of Treatment Efficacy. Sexual Medicine Reviews, 10(2), 209–230.

  • Faubion SS et al. (2012): Recognition and Management of Nonrelaxing Pelvic Floor Dysfunction. Mayo Clinic Proceedings.

  • Kellogg-Spadt S et al. (2010): Pelvic floor hypertonic disorders: identification and management. Obstetrics and Gynecology Clinics.

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